Persönliche Geschichte von Kheyrollah Ghaznavian

Endlich zu Hause

Kheyrollah Ghaznavian ist mein Name. Ich bin 58 Jahre alt, aber ich habe das Gefühl, dass ich schon eine Ewigkeit lebe. So viel schon sah ich, das meistens verbinde ich mit Schmerz, Gewalt, Grausamkeit und Hass. Ich komme nämlich aus Afghanistan und gehöre eine schiitische Minderheit, die seit ich denken kann verfolgt wird. Ich wusste nicht, was das für ein Gefühl ist in Sicherheit zu leben, einfach schlafen gehen ohne Angst zu Hause mitte in der Nacht überfallen zu werden, ohne Angst dass jemand in dein Haus eindringt und deine Kinder vor dir köpft oder erschießt, zur Arbeit zu gehen und nicht Angst haben auf der Straße gefoltert zu werden oder von Bomben zerstückelt zu werden. Ich habe so viele Freunde, Bekannte und Familienmitglieder, die so was zustoßen ist. Einfach nach dem Feierabend ein Spaziergang zu machen oder Am Wochenende ein Picknick zu machen war nicht drin, warum sollten wir uns auf so was gefährliches einlassen? Unser Verbrechen ist Hazara zu sein. Meine Frau wurde schon so von der Taliban zusammengeschlagen, dass sie bis heute starke Rückenschmerzen hat, am dem Tag wurden auch ihre beide Trommelfelle geplatzt.

Vor sechs Jahre flohen meine beide Söhne 23 und 25 Jahre alt aus Afghanistan. Unsere Familie ertrug nicht mehr unser Schicksal, wir hatten keine Hoffnung mehr, dann entschieden wir uns, dass die beide fließen sollten und uns danach ins Sicherheit bringen sollten. Seitdem wissen wir nichts mehr von ihnen. Ertrunken? Erschoßen? Irgendwo in Gefängnis, weil sie illegal reisten? Ich weiß nicht wo meine Kinder sind. Große Schmerz gibt es nicht. Vor ca. vier Jahre entschiede ich mich auch zu versuchen, es wäre das oder einfach warten, dass wir irgendwann getötet werden. Die Chancen waren schlecht, aber in Afghanistan hätten wir gar keine. Ich verließ meine Frau und meine beide Töchter allein und floh. Es wurde auf dem Weg auf uns geschoßen, wir waren tagelang im Wald in Solonik in Griechenland  ohne was zum Essen oder trinken, ich sah wie dreißig Menschen auf einem Schlauchboot auf dem Weg nach Italien neben meine ertranken. Wir könnten nichts machen. Wir mussten einfach zu sehen und dachten, bald sind wir an der Reihe. Unser Boot war nicht in einem bessere Situation als ihre. Vor drei Jahre und acht Monate kam ich in Deutschland. Ich sollte Jahren auf die Antworte auf meine Asylverfahren warten und vielleicht meine Frau und Kinder hier holen zu dürfen. Nach zwei ein halb Jahr konnten wir uns nicht mehr warten und sie nahmen den gleichen Weg, den ich nahm und versuchten zu kommen. Hilflosigkeit, Unbeholfenheit, Einsamkeit, Angst und Wut haben mich abweckselnd besucht während meine Familie ihre Leben auf Spiel setzte um zu mir zu kommen.

In meinem Land durfte ich nicht zur Schule. Das war ein Traum. Hier durfte ich zur Schule, mit der Hilfe von AMS Arbeitsmarktservice für Flüchtlinge habe ich ein Alphabetisierungskurs besucht. Ich war überglücklich und war sehr fleißig, es war so toll sagen zu dürfen „Jetzt gehe ich zur Schule.“ Ich gab mir sehr viel Mühe und lernte sehr schnell lesen und schreiben. Rosana Trautrims von UTS fand für mich eine Integrationspatin, sie ändert mein Leben. Sie heißt Gisela Hamann und bis heute ist sie meine beste Freundin, dass man so gut sein kann, lernte ich mit ihr. Ich arbeitete als Küchenhilfe ein Jahr, mein Chef war sehr zufrieden, weil ich sehr fleißig war. Heute arbeitete ich als ungelernter Pflegehelfer. Mein nächstes Ziel ist eine Ausbildung als Pflegehelfer zu absolvieren. Dafür muss ich mein Deutsch verbessern. Ich bin aber dabei.

Hier in Deutschland sah ich nur Gutes. Es gibt kein Krieg und die Leute werden nicht nach dem Maß seine Hingabe der Religion gemessen. Religion ist private Sache und wird zu Hause erlebt, ich finde es gut so. Ich habe das Gefühl, dass hier egal ist ob du Muslim, Christ, Jude, Atheist ist oder woher du kommst. Hast du ein gutes Herz wirst du Freunde finden und sie werden für dich da sein. Ich habe Deutsch Freunde, ich wurde geholfen, bei der Arbeit sind alle so lieb zu mir. Ich bin hier ein Mensch und werde respektiert. Alle sind so nett. Ich bin jetzt zu Hause.